Monika Rühl, Direktorin von economiesuisse und ihre beiden Kollegen aus der Luftfahrt Thomas Klühr, CEO SWISS und Stephan Widrig, CEO Flughafen Zürich AG haben sich gestern den kritischen Fragen der Mitarbeitenden aus der Luftfahrtbranche gestellt. Im Zentrum des Themenabends stand die Bedeutung der Partnerschaft mit Europa – insbesondere für den Luftverkehr.
Draussen entlud sich der heisse Sommertag gerade in einem Gewitter, als Andreas Schürer (Redaktor bei der NZZ und Moderator des Abends) die Gäste der Informationsveranstaltung im Prime Center des Flughafens Zürich begrüsste. Der Abend war ganz den Fragen rund um die Partnerschaft der Schweiz mit Europa gewidmet. Diese gestaltet sich zwar nicht ganz so stürmisch wie das Wetter draussen, ist aber eine Herausforderung und wirft immer wieder Fragen auf. Was bedeuten die bilateralen Verträge eigentlich? Und was sind sie wert? Was nützen diese Abkommen jeder und jedem ganz persönlich? Und was hat die Luftfahrt konkret davon? Diese und weitere Fragen diskutierten Monika Rühl, Thomas Klühr und Stephan Widrig mit dem Moderator gestern Abend ohne Scheuklappen.

In ihrem einleitenden Referat erzählte Rühl eindrücklich, wie sie 2001 in New York den 11. September und anschliessend das Swissair-Grounding erlebt hatte. Und was Letzteres mit dem Fehlen der Bilateralen zu tun hatte. Sie führte aus, warum die enge Vernetzung mit Europa nicht nur für die Gesamtwirtschaft, sondern auch für die Luftfahrt von grösster Bedeutung ist. Ohne den geschickt ausgehandelten bilateralen Weg wären die Schweiz, der Flughafen und die Swiss nicht dort, wo sie heute stehen, dessen sei sie sich sicher. Gegen die angekündigte Initiative zur Kündigung der Personenfreizügigkeit positionierte sie sich denn bereits gestern klar: „Die Kündigung der Personenfreizügigkeit würde das Ende des bilateralen Wegs bedeuten. “ Diese Aussage unterstützten die beiden Spitzenführungskräfte der Luftfahrt Stephan Widrig und Thomas Klühr ohne Wenn und Aber. Das Streckennetz der Swiss wie auch der Flughafen Zürich als wichtigen Hub würde es in der heutigen Form nicht geben, wenn sich die Schweiz gegenüber Europa nicht geöffnet hätte. «Und», so Stephan Widrig, «ohne ein gut funktionierendes Luftverkehrsdrehkreuz verliert der Standort Schweiz im globalen Wettbewerb schnell an Attraktivität und Ausstrahlung.»

Als die Diskussion auf die EU als Organisation schwenkte, waren die Aussagen und Beurteilungen von kritischeren Tönen geprägt. Monika Rühl findet, dass „der Club sich schon Gedanken machen sollte über seine Form und Weiterentwicklung, wenn ein wichtiges Mitglied austritt.“ Und auch Thomas Klühr, der sich ganz klar als „Europäer, der an die Idee Europa glaubt“ bezeichnete, war der Meinung, dass die EU Reformen brauche. Trotzdem sei es wichtig, dass die Schweiz primär ihre Hausaufgaben löse – darüber waren sich alle Drei einig. Dazu gehöre beispielsweise, dass zum bilateralen Weg Sorge getragen werde und Ideen wie die Kündigung der Personenfreizügigkeit an der Urne klar abgelehnt würden.
Die anwesenden Gäste, allesamt Mitarbeitende von Unternehmen aus dem Flughafenumfeld, mischten sich aktiv in die Diskussion ein. Kritische Voten und interessante Fragen zur aktuellen Situation der EU, aber auch zur weiteren Entwicklung der Airlines wurden von den drei fachlich hervorragend aufgestellten Referenten im Anschluss an das Podium gerne beantwortet. Das Format war bewusst so gewählt, dass eine persönliche Diskussion mit allen Teilnehmern entstehen konnte – die drei sympathischen Persönlichkeiten haben das Ihre dazu beigetragen und dieses wichtige politische Thema offen und ehrlich diskutiert.