Der 11. Juli 1780 hat das Dorf Goumois, das sich über beide Ufer des Doubs erstreckt, für immer verändert. Der Bischof von Basel, dem es seit dem Spätmittelalter unterstand, trat damals die westliche Dorfhälfte dem König von Frankreich ab. Seither bildet der Fluss die Landesgrenze, und über Jahrhunderte wurde die malerische Brücke mitten im Dorf – die einzige Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen – von Zöllnern überwacht. Daran konnten weder die französische Revolution noch der Untergang der alten Eidgenossenschaft etwas ändern. Zum Leidwesen der Dorfbewohner.

Doch sie liessen sich davon nicht unterkriegen. In Verhandlungen mit den neuen Regierungen erreichten sie, dass die Bevölkerung am Schweizer Ufer der Dorfkirche auf der anderen Flussseite zugeordnet blieb und sich auch auf dem dortigen Friedhof beerdigen lassen durfte. Im Gegenzug konnten die Familien im französischen Teil ihre Kinder in die Dorfschule am östlichen Ufer schicken. In späteren Jahren wurde dieser Zusammenhalt jeden Sommer mit einem prächtigen Feuerwerk gefeiert, die Zöllner an der Brücke setzen ihre Arbeit dann jeweils eine Nacht lang aus.

Doch erst 2008 verschwanden sie ganz – mit dem Beitritt der Schweiz zum Schengener Abkommen wurde die Kontrolle der Passanten überflüssig. Die Grenze, zwei Jahrhunderte zuvor künstlich geschaffen, existiert auf dem Papier zwar nach wie vor. Doch wer Goumois besucht, nimmt sie kaum noch wahr. Das Dorf im Jura ist heute ein beliebtes Ziel für Wanderer, Kajakfahrer und Angler. Dass es in der Schweiz Parteien gibt, die am liebsten wieder jede Brücke am Doubs mit einer Barriere versehen würden, versteht in Goumois wohl kaum jemand.