Schweiiiiiiiiizer Volk! Eidgenossen! Waffenbrüder! Stammtisch Ottlikon-Nord! An diesem ersten August, wollen wir der wahren Schweiz gedenken! Und all die Papier-, Sekundo- und Pseudoschweizer in den Senkel stellen!

Auch wenn es nicht einfach ist, auch wenn die Lage noch nie so ernst war wie heute. Denn man hat uns den grössten Bundesrat sämtlicher Zeiten und Epochen mit der grössten Dossierkenntnis aller Zeiten meuchlings nicht wieder gewählt! Gut, dafür haben wir den besten Verteidigungsvorsteher seit Menschengedenken! Aber die Nestbeschmutzer, die machen ihn und unsere Schweiz nur madig. Allen voran diese Politiker! Die nur in ihren Stretchlimousinen von Baar, Brugg oder Schinznach-Bad per Lustreisli nach Bern fahren! Als müsste ein anständiger Mensch je irgendwohin reisen! Nach Bern fahren und Aperos trinken! Das können sie. Und dabei unseren Kriegsminister madig machen! Destruktiv alles in Frage stellen. Dann heisst es wieder: Was genau ist der Auftrag der Armee?

Ja, wo bitte bleibt denn da die Geheimhaltung? Wo bleibt die Geheimhaltung, ohne die eine wirksame Armee gar nicht geschäften kann? Dann sage sie wieder: Und wieso braucht es dafür noch mehr Geld? Eidgenossen! Söldner! Reiswaffeln! Ich frage Euch: Heisst Sicherheit nicht, dass wir auf alles vorbereitet sein müssen? Auf alles! Etwa, wenn man die Truppen, die mit Secondos kontaminiert sind, internieren muss! Aber das darf man ja heute gar nicht mehr sagen. Natürlich kostet so eine Armee etwas, das weiss doch jede Hausfrau, die mit dem Versicherungsvertreter eine Heim-Vollkassko abgeschlossen hat!

Reiswaffenläufer und Sold-Soldaten der allerbesten, der Spitzenarmee der Welt, wenn nicht des Universums! Heute haben wir den permanten Verteidigungs-, ja Ernstsfall! Wir haben eine Invasion! Das weiss doch jede Hausfrau! Da kommen Tomaten vom Italiener! Schinken vom Spanier! Bananen aus Südamerika, anstatt dass wir Eigenversorgungssicherheit sicher stellen und sie durch unsere Schweizer Qualitätsbauern anpflanzen lassen.

Aber mehr noch ist es eine Invasion, weil jeder Glünggi hier arbeiten will. Aus Kanada kommen sie, um in Zürich bei einer Bank zu arbeiten! Aus dem wilden Balkan kommen sie, um bei uns zu tschuten! Aus China wollen sie kommen, um im Bündnerland bei der Chemie zu arbeiten! Das, Eidgenossen, ist der Ernstfall! Der Niedergang. Der Ausverkauf der Heimat. Die Ausdünnung des Volkskörpers.

Früher, da haben wir noch selber Eidgenossen exportiert. In die Lombardei, nach Frankreich, ja selbst zum Papst. Früher da hatten wir Mannä wie Tannä! Mit Scheichä wie Eichä. Und Haarä drannä wie Velospeichä. Und Ho Ho Ho....

(Juso-Gegendemonstranten aus dem Hintergrund: Chi-min!)

Und... bis am Bodä. Aber das darf man ja heute wegen der politischen Mainstream-Korrektheit nicht mehr sagen! Alles wird uns von den Berner Verrätern verboten! Eidgenossen, stehen wir jetzt nicht zusammen, verbietet man uns als nächstes, morgens mit dem Morgenstern oder der Hellebarde Tram zu fahren und zur Arbeit zu gehen! Dabei war es genau der Morgenstern mit dem wir gegen den fremdfötzeligen Österreicher die Schweiz erst geschaffen, ja, uns erhauen haben. Und was - Brüder! Bundesgenossen! Solidar-Waffeln - was soll man denn bitteschön tun, wenn so ein per Personenlibertinage eingesickerter Habsburger plötzlich auffällig wird? Ja wie soll man denn dem den Schädel...

Aber das darf man ja heute wegen der Mainstreammusik und der politischen Rechtschreibereform gar nicht mehr sagen... Wäre man früher so zögerlich gewesen, es hätte gar nie eine Schweiz gegeben! Wer hat den allen auf den Grind gegeben? Dem Gessler? Dem Habsburger? Dem Hitler? Und wäre nicht dieser Mainstream, das Veltlin würde noch immer uns gehören! Aber das darf man ja gar nicht mehr...

(Der Juso reicht es jetzt. Sie reicht folgerichtig per Twitter Strafanzeige ein. Gegen Christa Markwalder. Gegen Mario Fehr. Gegen Moritz Leuenberger und geben Unbekannt (Namen werden nachgeliefert!) Und fordert alle über Dreissig wg. Sesselkleberei zum Rücktritt auf.)

Gesinnungsgenosen! Eidgenössische Mittäter! Jetzt müssen wir endlich zünden! Jetzt müssen wir in Liebe zum Vaterland entflammen! Jetzt gilt es den Widerstand in jeder Gemeinde zu entfachen, zum Beispiel an der... Aber das darf man ja nicht mehr sagen. Heute vebietet uns der Mainstream ja schon das Nennen einer Strasse und Hausnummer, wenn dort ein Asylantenpackplatz... Schon bald wird man auf jeden Molotow-Cocktail eine CO2-Abgabe leisten müssen! Wie, Mitstreiter, sollen wir noch Widerstand leisten? Wie soll der WbW, der beste Widerstand der Welt, Qualitätswiderstand leisten und konkurrenzfähig bleiben können? Wenn die Rahmenbedingungen immer schlechter werden! Wenn der Bundesrat die Schweiz verschenkt! Weil er zu weich ist. Anstatt bei der Verhandlung knallhart und klipp und aber auch klar mit dem Morgenstern den EU-Diplomaten die Schädeldecken... Aber das darf man ja heute gar nicht mehr sagen.

Drum – Stammtisch Ottlikon-Nord  – lasst uns an diesem ersten August beten und aber auch prosten. Nämlich, dass Karl Martullo und Roger Koppel - weil sie eben gerade jetzt unbedingt mal müssen - das Land und auch uns, den Stammtisch Ottlikon-Nord, im Rahmen ihres Grossauftargs vor dem Untergang und einer weiteren Erhöhung des Bierpreises erretten werden.
Prost!

(Getreulich protokolliert von Thomas Haemmerli)

Thomas Haemmerli ist Regisseur, Kolumnist und Autor. Er präsidiert die von ihm gegründete Gesellschaft für eine offene und moderne Schweiz (GomS)

In dieser Rubrik erteilen wir regelmässig eine Carte Blanche an externe Autorinnen und Autoren. Dies sind in der Themenwahl völlig frei.