Im Zürcher Hochschulquartier lässt man noch vor den eigentlichen Festtagen die Korken knallen. Der Grund: Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat elf Projekte von jungen Forscherinnen und Forschern der ETH und der Uni Zürich als förderungswürdig eingestuft und dotiert sie über fünf Jahre mit insgesamt 16 Millionen Franken. Die sogenannten «ERC Starting Grants» sind dazu gedacht, Nachwuchstalente in der Spitzenforschung gezielt zu fördern. Mit den Geldern können sie eine Forschungsgruppe aufbauen und sich europaweit vernetzen, um ihr Projekt entscheidend voranzubringen.

Eine, die nun zum Handkuss kommt, ist die Immunologin Nicole Joller. Ihr Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, welche langfristigen Auswirkungen Infektionskrankheiten auf das menschliche Immunsystem haben und ob diese Allergien begünstigen. Neue Erkenntnisse in diesem Bereich sind dringend nötig: In den letzten 50 Jahren wurde eine massive Zunahme von Erkrankungen beobachtet, die auf fehlgeleitete Immunreaktionen des Körpers zurückzuführen sind.

Der Entscheid des ERC freut die beiden Hochschulen umso mehr, weil sich Forschende aus der Schweiz 2014 nicht um diese Fördergelder bewerben durften. Denn nach der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative konnte sich die Schweiz nicht am grossen europäischen Forschungsrahmenprogramm «Horizon 2020» beteiligen. Für die Jahre 2015 und 2016 hat der Bundesrat eine provisorische Teilnahme ausgehandelt. Doch damit Schweizer Spitzenforscher sich auch in Zukunft international vernetzen können und gefördert werden, bräuchte es wieder eine feste Beteiligung der Schweiz. ETH-Vizepräsident Detlef Günther sagt es klar und deutlich: «Alle Entscheidungsträger der Schweiz sind jetzt gefordert, damit auch den jungen Forschenden in der Schweiz ein Umfeld geboten werden kann, in dem sie sich optimal entwickeln können, um sich in der Top-Liga der Wissenschaft zu positionieren. Wenn sie aus dem europäischen Wettbewerb ausgeschlossen werden, nimmt man ihnen die Chance, sich mit den Besten zu messen.»

Communiqué der Uni Zürich:
http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2015/58-millionen-euro-foerdergelde...

Communiqué der ETH:
https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2015/12/mm...