In ihrem schweizweiten Extrablatt hantiert die SVP mit verschiedenen Zahlen und Behauptungen. Handfeste Quellen? Fehlanzeige. Wir haben fünf Fakten rausgesucht und zeigen, wieso sie falsch sind:

1. Seit der Einführung der vollen Personenfreizügigkeit (PFZ) mit der EU 2007 erleben wir Jahr für Jahr eine Nettozuwanderung aus der EU von durchschnittlich 55'000 Personen.

Falsch! Im Jahr 2017 betrug die Nettozuwanderung aus dem EU-/EFTA-Raum 30'799 Personen. Damit hat sie im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent (knapp 8'000 Personen) abgenommen. Das sind so wenige Zuwanderer wie noch nie seit der Einführung der vollen PFZ. Das besagt die Ausländerstatistik des Staatssekretariats für Migration SEM: https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/publiservice/statistik/auslaenderst...

2. Die PFZ hat uns mehr Arbeitslosigkeit gebracht.

Im Gegenteil: Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco wies die Schweiz in den letzten 15 Jahren – also seit Einführung der PFZ – im internationalen Vergleich eine äusserst günstige Wirtschaftsentwicklung und ein kräftiges und bildungsintensives Beschäftigungswachstum auf. Und das trotz erheblicher konjunktureller Turbulenzen aus dem EU-Raum. Die Zuwanderung aus dem EU-/EFTA-Raum hat diesen positiven Strukturwandel begünstigt: https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-i... Mehr Infos gibt es auch im aktuellsten Observatoriumsbericht zum Freizügigkeitsabkommen Schweiz-EU: Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt zu lesen: https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/48985.pdf

3. Die Zuwanderung wirkt sich negativ auf unsere Löhne aus.

Falsch! Seit Inkrafttreten der PFZ sind die Reallöhne in der Schweiz durchschnittlich um 0.8 Prozent pro Jahr gewachsen. Zudem war die Lohnentwicklung über die Lohnverteilung hinweg insgesamt ausgewogen. Das belegt das Seco: https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-i... Dagegen gibt es Stimmen, die besagen, dass die Löhne ohne die PFZ noch stärker gestiegen wären. Diesem Pauschalurteil widerspricht aber die Wissenschaft. Vielmehr ist es so, dass die Löhne von weniger Verdienenden ohne PFZ weniger stark gewachsen wären: https://dievolkswirtschaft.ch/de/2013/01/asensio/ Mehr Infos gibt es auch im aktuellsten Observatoriumsbericht zum Freizügigkeitsabkommen Schweiz-EU: Auswirkungen der Personenfreizügigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt zu lesen: https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/48985.pdf

4. Wir haben zehn Jahre Masseneinwanderung ohne Wohlstandsgewinn für den Einzelnen. Entscheidend für den Wohlstand sind die Produktivität und das Wirtschaftswachstum pro Kopf. Und gerade hier hapert es gewaltig, seit wir mit der EU das Abkommen zur PFZ abgeschlossen haben.

Falsch! Das mässige Wachstum des Schweizer Pro-Kopf-Einkommens der letzten Jahre ist vor allem auf die schwache konjunkturelle Entwicklung in Europa zurückzuführen. Zudem hat sich das Pro-Kopf-Wachstum der Schweiz seit dem Zeitpunkt der Einführung der bilateralen Verträge im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren signifikant erhöht. Die inländische Bevölkerung wäre ohne die bilateralen Verträge bedeutend weniger reich (rund 4'400 Franken pro Jahr und pro Person). Mehr Informationen finden Sie in der Studie «Entwicklung des PIP pro Kopf: Das Wachstum der Schweiz ist besser als sein Ruf»: http://www.economiesuisse.ch/sites/default/files/publications/Entwicklun...

5. Sinnvoll und vernünftig wäre keine jährliche Zunahme der Einwanderung, sondern einmal eine grössere Abwanderung. Dann hätten wir alle mehr Platz: zum Beispiel müssten wir weniger lang Schlange stehen vor dem Kino.

Reine Behauptung! Die Film- und Kinostatistik des Bundesamtes für Statistik (März 2017) zeigt eindeutig, dass die Anzahl der Kinoeintritte zwischen 2012 und 2016 um knapp 14 Prozent eingebrochen ist. Dagegen ist die Anzahl der Kinosäle gestiegen – und zwar um etwas mehr als sieben Prozent. Hierbei von einem «Dichtestress» zu sprechen, ist höchst fragwürdig.: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kultur-medien-informati...