Sind sie ein Käseliebhaber? Und damit meine ich nicht, ob sie ab und zu einen milden Tilsiter aus dem Kühlregal ihres Supermarkts kaufen oder in den Skiferien mal ein Fondue anrühren. Sondern: Geraten Sie auch ins Schwelgen, wenn sie vor einer prall gefüllten Käsetheke stehen? Beschleunigen sie auch den Schritt, wenn sie auf einer abgelegenen Alp ein Schild mit der Aufschrift „frische Geissenmutschli“ erspähen?

Die Schweiz ist ein Käseparadies. Die Vielfalt der einheimischen Produkte ist enorm, und auch ausländische Spezialitäten sind heute überall erhältlich. Das war nicht immer so. Bis Ende der 1990er-Jahre war die Käseproduktion hierzulande streng reguliert und planwirtschaftlich organisiert. Beherrscht wurde sie von der Käseunion. Die ihr angeschlossenen Käsereien produzierten fast ausnahmslos Emmentaler, Sbrinz und Gruyère. Auf die Menge kam es an, die Qualität kam erst an zweiter Stelle. Wer stattdessen auf französischen Brie oder sardischen Pecorino ausweichen wollte, musste lange suchen und für ein Qualitätsprodukt tief in die Tasche greifen. Das alles hat sich radikal verändert.

1999 wurde die Käseunion beerdigt und damit auch die Absatzgarantie für die Schweizer Produzenten. Drei Jahre später trat das Agrarabkommen mit der EU als Teil der Bilateralen I in Kraft. Der Käsehandel wurde dadurch vollständig liberalisiert. Zugegeben, das hatte für manche Produzenten zunächst auch negative Folgen. Einige schafften es nicht, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und schlossen ihre Tore. Doch es entstanden neue Betriebe, die sich daran machten, mit frischen Ideen und höchster Qualität den europäischen Markt zu erobern. Heute bieten Schweizer Käsereien eine nie dagewesene Produktevielfalt, die ohne die Marktöffnung nicht entstanden wäre.

Da gleichzeitig alle Kontingente und Zollschranken für Käse aus der EU beseitigt wurden, hat sich für die Konsumenten auch die Auswahl an ausländischen Erzeugnissen weit über Gouda und Camembert hinaus verbreitert. Und dies erst noch zu bezahlbaren Preisen. Man kann nun einwenden, dass die Schweiz bei der Produktion von Billigkäse mit den grossen EU-Betrieben nicht mithalten könne. Das mag sein. Aber müssen wir das wirklich? Wie in anderen Bereichen auch, liegt der Schlüssel zum Erfolg beim Käse in der hochqualitativen Nische. Schmelzkäse für Tiefkühlpizzen lässt sich in Ländern mit tieferen Arbeitskosten wohl billiger herstellen. Aber mal ehrlich: Was ist das schon im Vergleich zu einem «Andeerer Traum»?