Die Küchencrew der Firma Hamilton hatte sich auf einen langen Tag vorbereitet – sie hatten nach dem normalen Tagesgeschäft nochmals rund 200 Gäste zu verpflegen. Sagte ihr Chef, Andreas Wieland, Geschäftsführer der Hamilton AG in Bonaduz. Denn heute Abend war das High-Tech Unternehmen Gastgeber einer kantonalen Veranstaltung zu Europapolitik. Und die Leute kamen. Pünktlich um 18.00 Uhr füllte sich der Raum der Kantine bis auf den letzten Stuhl. Heinz Dudli, Präsident der kantonalen Handelskammer, begrüsste die interessierten Gäste mit den wichtigen Daten zum Kanton. Obwohl es nicht immer einfach ist für den stark vom Tourismus abhängigen Kanton, ist er zufrieden. Die Wirtschaft funktioniert auch deshalb gut, weil man doch mit Stolz auch ein paar international sehr erfolgreiche Unternehmen beherbergt. Zwei davon sind heute auf dem Podium vertreten: die Firma Hamilton mit Andreas Wieland und die Firma Ems Chemie mit Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher. Wie wichtig für die beiden Firmen aber auch für den Standort Graubünden und die Schweiz die Bilateralen sind, darüber sollte an diesem Abend debattiert werden.

Den Boden legen für eine spannende Diskussion durfte Monika Rühl, Direktorin des Wirtschaftsdachverbands economiesuisse. Sachlich und ruhig aber auch mit spürbaren Emotionen für das Thema präsentierte sie die wichtigsten Eckpunkte zum Thema. Kein Aspekt wurde dabei aus gelassen: Vom Brexit über die Umsetzung der MEI, Rasa und die Problematik Kroatien bis zum Rahmenabkommen und der von der SVP lancierten Selbstbestimmungsinitiative, alles musst angesprochen werden. Denn alles hat seinen Platz in der Debatte – so auch auf dem anschliessenden Podium. Unter der Moderation des Chefredaktors des Bündner Tagblatts Luzi Bürkli verlief die Diskussion zwischen CVP-Ständerat Stefan Engler, SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, Monika Rühl und Andreas Wieland gesittet aber mit klaren Positionen ab. Sowohl die Gemeinsamkeiten wie auch die Unterschiede wurden deutlich. Eine Lösung zur Umsetzung der MEI konnte erwartungsgemäss nicht gefunden werden – mögliche Ansatzpunkte macht der aufmerksame Zuhörer aber aus. Die Zusammenfassung von Herr Dudli brachte es treffend auf den Punkt: die Bilateralen verlieren will hier niemand, der Bundesrat in seiner Führungsfunktion ist sehr umstritten und das Thema ist komplex und wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Und so waren es nicht nur der feine Apéro und der schöne Abend, der die Gäste noch lange an den Tischen im Innenhof halten mochte. Es waren wohl vor allem auch die zahlreichen sehr engagierten Diskussionen rund um die Schweiz und ihren Nachbar Europa oder vielmehr auch die EU. Dies zeigt, wie wichtig die Information über die Bilateralen und die künftige Ausgestaltung unserer Partnerschaft in Europa ist. Eine gelebte Debatte zum Thema ist schon heute enorm wichtig – damit die Menschen wissen, wo sie stehen und was sie zu erwarten haben wenn sie das nächste Mal abstimmen. Und dieser Moment kommt bestimmt.