Tina und Mats gibt es zwar nicht im wirklichen Leben. Geschichten wie diese passieren aber jeden Tag.

Kennen und lieben gelernt haben wir uns im winterlichen Amsterdam. Ich bin für meinen Schweizer Arbeitgeber auf Projektbasis für zwei Jahre im Land der Tulpen stationiert. Während es draussen dicke Flocken schneite, hat unser Team nächtelang über dem Projekt gebrütet und mit Hochdruck an der Produktlancierung gearbeitet. Dabei habe ich Mats, meinen heutigen Partner kennengelernt. Als internationale Europäerin mit rotem Pass empfinde ich die Arbeit in verschiedenen europäischen Ländern in interkulturellen Teams auch heute noch als grosse Bereicherung. Weil ich damit meinen Erfahrungshorizont beruflich und persönlich erweitern kann. Dank dem Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU habe ich als Schweizerin die Freiheit meinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt im gesamten europäischen Raum frei wählen zu können. Genauso wie das mein holländischer Freund kann. Mein weltoffenes, liberales und internationales Umfeld und ich – Schweizer, Holländer, Italiener, Spanier, Franzosen, Deutsche und Polen um nur einige zu nennen –  nutzen und schätzen diese Freiheit sehr.

Seit am 9. Februar 2014 in der Schweiz die Initiative «Gegen Masseneinwanderung» der SVP mit 50,3 Prozent Ja-Stimmen knapp angenommen wurde, steht diese Freiheit auf wackligen Füssen. Ich habe zahlreiche Fragen zur gemeinsamen Zukunft. Mitte 2017 läuft mein Projekt in Amsterdam aus und es war geplant, dass ich danach wieder im Schweizer Hauptsitz meines Arbeitgebers arbeiten werde. Doch kann die Masseneinwanderungsinitiative so umgesetzt werden, dass das Personenfreizügigkeitsabkommen bestehen bleibt? Ohne starres Kontingentsystem? Wirtschaftsverträglich und europakompatibel? Reichen für Staatsangehörige der Schweiz und der EU-Mitgliedsstaaten weiterhin eine Aufenthaltsbewilligung, ein Arbeitsvertrag und eine Krankenversicherung, um mit Herzblut einem Job nachzugehen und mit seinem Partner frei wählen zu können, ob das Zuhause in Stockholm, Amsterdam oder Zürich sein soll? Kann mein holländischer Freund seine Arbeit als Ingenieur in der Schweiz weiterführen und mit mir in der Schweiz leben? Bis Februar 2017 hat die Schweiz Zeit, mit der EU eine Lösung zu finden. Eine Lösung, in welcher auch die 49,7 Prozent der Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger berücksichtigt werden sollten, welche gegen die Abschottungsinitiative waren. Mats und ich wünschen uns, dass dies gelingt. Denn wir lassen uns die Freiheit nicht nehmen zu arbeiten, zu leben und zu lieben wo wir wollen weil wir uns dort zu Hause fühlen – egal wo das in Europa ist.