Obwohl direkt nebendran der FC St. Gallen ein wichtiges Spiel hat, füllt sich die Halle der DGS Druckgusssysteme in St. Gallen an diesem Dienstagabend rasch. Die IHK St. Gallen Appenzell lädt gemeinsam mit „stark + vernetzt“ und der Gastgeberfirma DGS zum Podiumsanlass ein. Der Hausherr, CEO Andreas Müller, begrüsst die aufmerksamen Gäste mit eindrücklichen Fakten über seine Firma die sich als Zulieferer für die Automobilindustrie weltweit einen Namen gemacht hat. Internationale Zusammenarbeit hat der Industriebetrieb, der seit 1950 in St. Gallen ansässig ist, in seiner DNA. Mit einem Werk in Tschechien, zwei Standorten in China und einem Arm in Mexiko ist das Unternehmen für die Zukunft optimal aufgestellt. Von den rund 970 Mitarbeitenden aus über 20 Nationen ist nach wie vor der grösste Teil, rund 400, in der Schweiz tätig. Auf Fachkräfte aus dem Ausland ist DGS angewiesen, auch weil die Schweiz schlicht keine Automobilfachleute ausbildet. Neben der Personenfreizügigkeit ist auch der Zugang zum europäischen Binnenmarkt gemäss Andreas Müller für DGS essentiell. Der Exportanteil für die Autoteile beträgt satte 95 Prozent, davon geht der grösste Teil in die EU.

Auf dem anschliessenden Rundgang durch die Fabrikhallen dürfen die Gäste zwischen glühenden Öfen und riesigen Roboterarmen reale Industrieluft schnuppern. Mit viel Stolz zeigen die Mitarbeiter ihren Betrieb: Es ist eindrücklich was hier täglich geleistet wird. Unzimperlich geht es nicht nur in der Fabrikhalle zu und her sondern auch auf dem anschliessenden Podium. Während Walter Locher, Kantonsrat FDP und VR-Präsident der DGS sich mit Herzblut für eine vernetzte Schweiz und den bilateralen Weg einsetzt, wehrt sich Nationalrat Thomas Müller ganz SVP-üblich gegen die Behauptung, wir steckten in einer Sackgasse. Der bilaterale Weg sei aber auch für ihn sehr wichtig, was wiederum nicht alle Parteikollegen so sehen dürften. Trotzdem bleibt er auf dem Standpunkt, nun müsse einfach gut verhandelt werden, die Schweiz habe diverse Trümpfe in der Hand. Locher hingegen ist klar der Meinung: „Die Bilateralen sind nicht verhandelbar“ und die Europapolitik dürfe auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Ob die EU wirklich ein so grosses Interesse an den Verträgen hat und deshalb auf uns zukommen wird, wie sich Müller das vorstellt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Bei Bier und Brötchen diskutieren die interessierten Gäste noch eine ganze Weile weiter, während in der Halle nebenan die Lastwagen für die Nachtauslieferungen über die Grenze beladen werden.