Europa, das ist unsere Nachbarschaft, unser Quartier im globalen Dorf. Heute mehr denn je, denn noch nie in der Geschichte waren so viele Orte auf dem alten Kontinent in so kurzer Zeit erreichbar. Von Zürich nach Bilbao? Dauert weniger als zwei Stunden. Von Bern nach Palma de Mallorca? Dito. Und auch Städte wie Riga, Edinburgh, Palermo oder Porto werden heute von der Schweiz aus direkt angeflogen. Noch in den 90er-Jahren war das Streckennetz hiesiger Airlines viel weniger dicht. Für viele City-Trips musste man entweder horrende Preise zahlen, mühsam umsteigen oder lange Fahrten mit dem Nachtzug auf sich nehmen. Denn der Flugverkehr in Europa war damals noch nicht liberalisiert. Für jede Strecke mussten die Flugrechte zwischen den Landesregierungen ausgehandelt werden, und nationale Fluglinien wie Alitalia, Iberia, die Swissair oder British Airways sprachen die Preise ab und liessen keine Konkurrenz aufkommen.

Das Reisen durch die Luft wurde in Europa einfach und günstig, als die europäischen Länder einen gemeinsamen Markt schufen, an dem sich auch die Schweiz beteiligte: über das bilaterale Luftverkehrsabkommen mit der EU. Erst jetzt wurde es möglich, dass Gesellschaften wie easyJet oder Air Berlin in anderen Ländern Ableger gründeten und von zahlreichen Orten aus neue Verbindungen anboten. So auch in der Schweiz. Die Folge: Das Angebot ist heute viel breiter und ein Flugticket für jedermann erschwinglich.

Ein Verlust der Bilateralen I würde diese Ära in der Schweiz beenden. Zwar könnte man auf die alten Abkommen zurückgreifen. Doch gelten diese nur für wenige Strecken. Und die Schweiz hat zusätzlich das Problem, dass sie über keine nationale Airline mehr verfügt, der diese Flugrechte vertragsgemäss zustehen würden. Kai Gramke, Ökonom bei BAK Basel, hat es kürzlich in einem Interview anschaulich erklärt: my.europapolitik.ch/bakbasel

Lassen wir uns also unsere Reisefreiheit nicht nehmen. Bleiben wir auch flugverkehrstechnisch stark und vernetzt – mit einer konstruktiven Europapolitik!