Es ist eine sonderbare Bestellung, die der Schweizer Uhrenmacher Abraham Louis Breguet im Juni 1810 erhält: Die Königin von Neapel, Caroline Murat, will von ihm eine «längliche, für ein Armband geeignete Repetieruhr». Gut zwei Jahre später liefert ihr Breguet das Stück und damit die erste Armbanduhr der Welt. Knapp 5000 Francs ist diese der Schwester von Napoleon Bonaparte wert. Für denselben Betrag hätte sie sich damals 20 Tonnen Brot kaufen können.

Das ist einer der Meilensteine in der Geschichte der erfolgreichen Schweizer Uhrenindustrie. Ihren Ursprung hat diese nicht in der Schweiz, sondern in Frankreich. Es sind hugenottische Flüchtlinge, die im 16. Jahrhundert das Uhrenhandwerk in die Schweiz bringen. Zugleich bilden sich Schweizer Uhrenpioniere wie Abraham Louis Breguet in Paris aus, bevor sie in der Schweiz ihre Ateliers eröffnen. Und überhaupt: Ohne ausländische Prominente und Adlige würden die Schweizer Uhrenhersteller ihre Schmuckstücke gar nicht loswerden – denn in der Schweiz kann sich damals niemand diesen Prunk leisten. Breguet würde im Krisenjahr 1813 ohne Caroline Murat und ihren Hang zu teuren Uhren Pleite gehen. Sein Freund Louis Moinet baut Uhren für den amerikanischen Gründungsvater Thomas Jefferson, Englands König George IV. oder den Prinzen von Hannover, Ernst August. Die enge Verflechtung mit den Nachbarn ist heute noch prägend für die Schweizer Uhrenindustrie – nicht nur, was die Kunden anbelangt: Fast jeder dritte Angestellte wohnt im Ausland und ist Grenzgänger.