Die grenzüberschreitende Kooperation von Hochschulen, der Austausch von Dozenten, Auslandsemester für Studierende, aber auch für Berufsleute: All diese Möglichkeiten und noch viel mehr bietet das europäische Programm «Erasmus+». Nachdem die Schweiz lange als Drittland behandelt wurde, ist die Forderung da, wieder als Vollmitglied am europäischen Mobilitätsprogramm teilzunehmen. Mit Blick auf die Neuverhandlungen in der zweiten Jahreshälfte hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) – zusammen mit weiteren Organisationen –heute eine Petition lanciert.

Austausch und Mobilität in Europa: Wertvolle Erfahrungen und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Zusätzlich zum Zugang zu Bildungsangeboten bietet das Programm auch Möglichkeiten, an Konferenzen teilzunehmen oder freiwillige Einsätze in Europa zu leisten – unabhängig davon, ob junge Menschen an einer Universität studieren, eine Lehre machen, noch zur Schule gehen, dort unterrichten oder in einem Sport- oder Jugendverband aktiv sind. Über diese internationale Erfahrung erwerben sie oft eine neue Sprache, aber auch Sozialkompetenzen, Offenheit, Selbstvertrauen und Entscheidungsfähigkeit. Studien beweisen denn auch, dass die in einem Austauschjahr erworbenen Fähigkeiten für den Erfolg in der Arbeitswelt äusserst wertvoll sind.

Seit Annahme der Masseneinwanderungsinitiative gilt Schweiz als Drittland

Vom europäischen Mobilitätsprogramm hat auch die Schweiz stark profitiert. Bis 2013 war sie Vollmitglied. Nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Jahr 2014 wurden die Verhandlungen für das Nachfolgeprojekt jedoch abgebrochen. Seither wird unser Land als Drittland behandelt. Das heisst konkret: Wie bereits zwischen 1996 und 2011 finanziert die Schweiz, was Mobilität angeht, fast alles wieder selbst. Zudem muss jede Hochschule den Austausch mit europäischen Partnern einzeln aushandeln, was einen immensen Aufwand bedingt. Im Fall der Universität Zürich handelt es sich um nicht weniger als 400 Einzelverträge. Auch die Teilnahme an Kooperationsprojekten ist stark eingeschränkt: Schweizer Institutionen können Projekte nicht koordinieren, weil die Schweiz nur den Status eines Drittlandes hat. Das ist für die Bildungslandschaft, aber auch für Jugendorganisationen deutlich schmerzhafter als die finanzielle Komponente.

Mit einer Online-Petition wieder zum Vollmitglied

Nachdem die Schweiz die Personenfreizügigkeit mit dem jüngsten EU-Mitglied Kroatien per Ende 2016 eingeführt hat, wäre eine vollwertige Teilnahme an «Erasmus+» prinzipiell wieder möglich. Doch wegen der hohen Kosten für einen Wiedereinstieg gab es dafür bislang politisch keine Mehrheit. Erst beim Nachfolgeprojekt für die Jahre 2021 bis 2027 will sich die Schweiz wieder als mögliches Mitglied in die Verhandlungen einbringen. Die EU wird diese Verhandlungen im kommenden Herbst eröffnen. Die SAJV hat deshalb heute eine Online-Petition gestartet – zusammen mit weiteren Organisationen.

Hier mehr erfahren zur Petition

Jetzt Faktenblatt von stark+vernetzt lesen