Schweizer bohren gerne Löcher – sei es im Käse, für grosse Teilchenbeschleuniger oder durch unsere Berge. Und stets machen wir das mithilfe unserer Nachbarn. Die weltberühmten Löcher im Emmentaler nagen die Bakterien Propionibacterium freudenreichii, die ihren Namen dem Schweizer Eduard von Freudenreich verdanken. Nachdem dieser in Paris bei Pierre Miquel Bakteriologie studiert, entdeckt Freudenreich Ende des 19. Jahrhunderts, dass die Milchsäurebakterien bei der Reifung des Käses eine Rolle spielen. Auch nicht unter den Teppich kehren sollte man, dass die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) ihren Sitz zwar im Genfer Grenzort Meyrin hat, ihr 26,7 Kilometer langer und weltweit einmaliger Teilchenbeschleuniger aber hauptsächlich unter französischem Boden verläuft.

Und unseren Gotthard-Eisenbahntunnel haben zwischen 1872 und 1882 nicht nur die Deutschen, Italiener und Franzosen mitgebaut und mitgeplant, sondern ihn auch zu einem grossen Teil bezahlt. Italien als Hauptfinancier unter den Staaten steuert damals 45 Millionen Franken bei, Deutschland und die Schweiz je 20 Millionen. Die restlichen 102 Millionen Franken sollen Private bereitstellen. Um solche Bahnprojekte stemmen zu können, hat Alfred Escher kurz zuvor die Schweizerische Kreditanstalt in Zürich gegründet. Diese Bank katapultiert Zürich zum führenden Schweizer Finanzplatz und heisst heute Credit Suisse. Der Gotthard-Tunnel macht so gesehen nicht nur den Weg ins Tessin frei, sondern bahnte auch den Weg für eines der wichtigsten Schweizer Unternehmen.