Am 19. Mai stimmt die Schweiz über ein schärferes Waffenrecht ab und damit auch über ihren Verbleib im Schengen-Raum. Die Aargauer FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger erklärt, weshalb sie sich für ein Ja einsetzt.

Im Herbst 2018 hat das Parlament das Schweizer Waffenrecht verschärft. Was waren die Beweggründe?

Die Schweizer Bevölkerung hat 2005 den Beitritt zum Schengen-Raum beschlossen. Die Schengen-Staaten arbeiten beim Thema Sicherheit eng zusammen und haben eine gemeinsame Richtlinie zum Waffenrecht. Diese wurde kürzlich verschärft, nicht zuletzt aufgrund der Terroranschläge in Paris und anderswo. Unser nationales Gesetz haben wir nun an diese Richtlinie angepasst.
 
Schützenverbände, die Auns und andere haben das Referendum ergriffen. Hat man deren Anliegen zu wenig berücksichtigt?

Nein, keinesfalls. Bereits in den Verhandlungen mit den Schengen-Partnern hat der Bundesrat wichtige Zugeständnisse erreicht. Zwar werden halbautomatische Waffen grundsätzlich verboten, aber Armeeangehörige dürfen ihre Dienstwaffe auch weiterhin behalten und zu Hause aufbewahren. Das gilt auch für Sportschützen, die neu einfach nachweisen müssen, dass sie einem Verein angehören oder zumindest regelmässig schiessen. Ich halte das für zumutbar. Die Auns hingegen hat andere Beweggründe: Sie ist seit jeher gegen die Teilnahme der Schweiz am Schengen-Raum.

Was geschieht, wenn die Schweiz Nein sagt zum neuen Waffenrecht?

Das Schengener Abkommen ist in diesem Punkt eindeutig: Unsere Mitgliedschaft würde nach sechs Monaten automatisch enden. Verhindern könnte dies nur der gemischte Ausschuss Schweiz/EU, der einen einstimmigen Entscheid zugunsten der Schweiz fällen müsste. Dieses Szenario halte ich aber für ausgeschlossen, weil uns ja bereits Ausnahmen zugestanden wurden.

Welche Konsequenzen hätte denn ein Austritt aus dem Schengen-Raum für die Schweiz?

Wir verlieren damit viele Vorteile, die für uns längst alltäglich sind. Der wichtigste: Die Polizei hätte keinen Zugriff mehr auf die Fahndungs- und Visadatenbanken der Schengen-Staaten. Diese liefern unseren Behörden heute rund 50 mal pro Tag wichtige Informationen zu gesuchten Personen und stellen eine effiziente, grenzüberschreitende Polizeiarbeit sicher. Ausserdem würde die Schweizer Grenze rundum zur Schengen-Aussengrenze – mit strengeren Kontrollen und längeren Wartezeiten beim Grenzübertritt. Hart treffen würde es auch den Tourismus, weil heute viel Reisende mit einem Schengen-Visum durch Europa reisen und dabei auch die Schweiz besuchen. Ich sehe nicht, warum wir alle diese Vorteile aufgeben sollten, nur damit einige Waffen nicht registriert werden müssen.