Im 19. Jahrhundert gibt es in Samnaun Zwerge, die «Zweargla». Acht kleinwüchsige Kinder werden zwischen 1873 und 1892 geboren, alle hören mit drei Jahren auf zu wachsen, weil ihnen ein Hormon fehlt. Vorher mehrheitlich unbekannt, hat das verschlafene Tal in Graubünden plötzlich eine Touristenattraktion, von überall her pilgern die Leute nach Samnaun, um die «Zweargla» zu sehen. Die zweite Touristenattraktion erhält das Dorf im selben Jahr, in dem das letzte kleinwüchsige Kind zur Welt kommt. 1892 befreit der Bund Samnaun von der Zollpflicht. Das ist der Startschuss für das Dorf, zum Eldorado für Touristen zu werden.

Doch der Beginn ist schwer. Bis 1912 führt keine richtige Strasse von der Schweiz her nach Samnaun. Die Leute in dem Dorf versorgen sich mehrheitlich selbst, pflanzen Tabak an und treiben Handel mit den Tirolern. Zum Beispiel erwerben sie dort Kälber, füttern sie zwei Jahre auf ihren Weiden durch und verkaufen sie dann wieder nach Österreich. Diese Einnahmequelle versiegt, als die Schweiz 1848 Zollgrenzen einführt. Damit die Menschen in Samnaun nicht darben müssen, wird es zollbefreit – was es auch heute noch ist. Das lockt natürlich Einkaufstouristen an, deren Geld die Samnauner wiederum verwenden, um ihr Bergdorf in ein alpines Wunderland zu verwandeln. Zu den Shoppingtouristen gehören zum Beispiel Tiroler Imker, die bis zu 300 Kilogramm Zucker in Samnaun einkaufen und dann im Auto zurück nach Hause fahren. Die guten Beziehungen nach Österreich stricken die Samnauner noch weiter: Sie verbinden ihr Skigebiet mit demjenigen von Ischgl. Der Schulterschluss zahlt sich aus. Das grenzüberschreitende Skigebiet gehört zu den beliebtesten in Europa.