«Der hohe Industrieanteil ist wichtig für die geringe Arbeitslosigkeit in der Schweiz und damit zentral für unseren Wohlstand», ist Rolf Käser, CEO der Felss Rotaform AG im luzernischen Triengen, überzeugt. Doch die Schwierigkeiten nähmen zu. Die Überbewertung des Frankens und das hohe Lohnniveau zwingen den Autozulieferer, mit seinen 90 Mitarbeitern am Standort Zentralschweiz voll und ganz auf Innovation zu setzen. Wie Käser diese Woche an einem Anlass der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) in Luzern aufzeigte, kann dies funktionieren, so lange der Zugang zu Fachkräften und zum grossen europäischen Binnenmarkt sichergestellt ist. Würden aber die bilateralen Verträge mit der EU wegfallen, «dann gibt es nicht mehr viele Gründe, die Produktion in der Schweiz aufrecht zu erhalten». Die internationale Felss Holding verfügt auch über Produktionsstätten in Deutschland, den USA und China. Käser muss sich also auch gegen gruppeninterne Konkurrenz durchsetzen, wenn darüber entschieden wird, wo in Zukunft aus- oder abgebaut wird.

Vor ähnliche Herausforderungen gestellt sieht sich Josef Reiterer, Director Sales der Hartmetall Estech AG. Das Industrieunternehmen in Hitzkirch benötigt viele Spezialisten, für deren Tätigkeit es in der Schweiz kaum noch Ausbildungsmöglichkeiten gibt. «Wir arbeiten deshalb eng mit den Hochschulen in Dresden und Wien zusammen, um unsere Fachkräfte zu bekommen», so der gebürtige Österreicher. Ohne diese Verbindungen sei die Produktion in der Zentralschweiz gar nicht denkbar. Deshalb ist auch für ihn zentral, dass die Schweiz an einer konstruktiven Europapolitik festhält. Denn wenn die Produktion abwandere, sei auch die Forschung und Entwicklung nicht hier zu halten – beides gehört, gerade im Industriebereich, eng zusammen.

economiesuisse-Direktorin Monika Rühl rief am IHZ-Anlass in Luzern deshalb dazu auf, die wichtigen Verbindungen zum Ausland zu stärken, nicht zu schwächen. Schliesslich hätten die Handelsbeziehungen mit den europäischen Nachbarn die Zentralschweiz seit der Eröffnung des Gotthards im 13. Jahrhundert entschieden vorangebracht. Und das gelte nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft ganz allgemein.