Wenn die SVP nach Argumenten für die Kündigung der Bilateralen sucht, dann ist diese Geschichte nie weit: Es wird eng in der Schweiz, denn wegen der hohen Zuwanderung aus der EU müssen wir ständig mehr Land zubetonieren! Nur: Ein Märchen wird nicht wahrer, nur weil man es immer und immer wieder erzählt. Denn einerseits war die Zuwanderung auf Basis der Personenfreizügigkeit in den letzten Jahren stark rückläufig. Und andererseits hat die Schweiz das Potenzial und die Instrumente, um mehr Menschen aufzunehmen, ohne dass dafür weitere Wiesen überbaut werden müssen.

Verdichtung und Steigerung der Lebensqualität lassen sich durchaus vereinbaren 

Die neuste Ausgabe des Faktenblatts von stark+vernetzt zum Thema Siedlungsentwicklung zeigt einerseits diese Potenziale auf. Und es zeigt ebenso, dass die Schweiz aus vergangenen Fehlern gelernt und eine Kurskorrektur vorgenommen hat. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative (2012) und die Revision des Raumplanungsgesetzes (2013) unterstreichen diese Trendwende. Und aktuelle Zahlen beweisen, dass «Verdichtung» keine leere Worthülse ist. Vor allem in den städtischen Zentren nimmt die pro Einwohner verbrauchte Siedlungsfläche (also Flächen fürs Wohnen, den Verkehr oder Freizeitanlagen) unverkennbar ab. Konkret: Die Bewohner von Genf benötigen heute durchschnittlich noch 77,7 Quadratmeter, jene von Altstätten (SG) hingegen 493,3 Quadratmeter. Selbstverständlich stehen diese beiden Beispiele auch für sehr unterschiedliche Lebensstile. Aber für beide Orte gilt: Eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Siedlungsflächen ist mit einer Steigerung der Lebensqualität durchaus vereinbar. Zumal so wertvolle Grünflächen, Kulturland und damit auch Naherholungsräume erhalten werden können.

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