Frau Suter, Sie sind bei Bucher Industries als Finanzchefin tätig. In welchem Bereich ist Ihr Unternehmen aktiv?
Wir sind ein diversifizierter Technologiekonzern mit fünf spezialisierten Divisionen. Unsere Produkte werden eingesetzt für die Gewinnung, Herstellung und Verpackung von Nahrungsmitteln, für die Sauberkeit und Sicherheit auf Strassen und im öffentlichen Raum sowie als hydraulische Antriebssysteme für anspruchsvolle Maschinen. Wir beschäftigen über 13‘000 Mitarbeitende, die an rund 40 Produktions- und Entwicklungsstandorten tätig sind.

Inwiefern sind Sie auf gute Beziehungen zur Europäischen Union angewiesen?
Für uns als Schweizer Industrieunternehmen mit weltweiter Präsenz sind gute Beziehungen und ein offener Austausch enorm wichtig – mit der EU, aber auch darüber hinaus. Rund zwei Drittel unserer Schweizer Produktion werden exportiert, über die Hälfte davon in die EU. Die Bilateralen ermöglichen uns eine gesicherte und geregelte Teilnahme am europäischen Binnenmarkt.

Sie haben die Bilateralen I angesprochen. Wäre ein umfassendes Freihandelsabkommen nicht zielführender?
Ein Freihandelsabkommen müsste neu verhandelt werden und brächte weit weniger Vorteile als die Bilateralen. Diese regeln ja nicht nur den Marktzugang. Es geht beispielsweise auch um einheitliche technische Normen oder die Teilnahme an Forschungsprogrammen, die für den hiesigen Wissens- und Innovationsstandort zentral sind. Die Bilateralen Verträge als Ganzes sind für uns daher von grosser Bedeutung.

2020 kommt die Kündigungsinitiative an die Urne. Diese will die Kündigung der Personenfreizügigkeit. Wo liegen die Gefahren?
Die Bilateralen I gibt es nur als Gesamtpaket: Kündigen wir die Personenfreizügigkeit, kündigen wir automatisch auch alle anderen sechs Verträge. Im Verhältnis mit der EU entstehen folglich in vielen Bereichen Unsicherheiten, was für die Schweiz nicht förderlich wäre. Auch der Wegfall der Personenfreizügigkeit wäre eine Herausforderung. Für Unternehmen wie Bucher Industries würde sich der Fachkräftemangel deutlich verschärfen.

Dieser Beitrag erschien erstmals in der Novemberausgabe des Bulletins der FDP Frauen des Kantons Zürich.