Die Chefökonomen zahlreicher wichtiger Institutionen und Verbände haben sich in Bern vertieft mit dem Wert der Bilateralen auseinandergesetzt. Und sie kommen unisono zum klaren Ergebnis: Für einen forschungsgetriebenen, stark exportorientierten Wirtschaftsstandort wie die Schweiz sind die Verträge ein riesiger Vorteil. Eric Scheidegger, Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) verwies auf mehrere vom Bund in Auftrag gegebene Studien. Aus diesen lasse sich ableiten, dass die Schweiz ohne Bilaterale in den kommenden 20 Jahren im Schnitt jährlich 32 Milliarden Franken an Wohlstand einbüssen werde.

Den oft geäusserten Vorwurf, die Personenfreizügigkeit (PFZ) drücke auf die Löhne, entkräftete Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle KOF. Entgegen den Erwartungen seien in den Regionen, die viele Grenzgänger beschäftigen, die Löhne gleich stark gewachsen wie in anderen Gegenden, und die entsprechenden Firmen hätten dank den Bilateralen sogar ein stärkeres Wachstum an den Tag gelegt als andere.

Ökonomen von Branchenverbänden wie Swissmem und Interpharma betonten, dass für ihre Mitglieder neben der PFZ auch die Abkommen über die technischen Handelshemmnisse und die Forschungszusammenarbeit von zentraler Bedeutung seien. Es gehe aber um ein Gesamtpaket, dass viel mehr wert sei als die Summe der einzelnen Abkommen, erklärte economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. Sein Team hat mit diversen ökonometrischen Tests die These erhärten können, dass ein enger Zusammenhang besteht zwischen der Einführung der Bilateralen und einem starken Wachstumsschub in der Schweiz nach 2001, von dem man bis heute profitiere.

Würde Brüssel die Bilateralen ohne Institutionelles Abkommen tatsächlich einen langsamen Tod sterben lassen, wie man oft hört? Oder könnte die EU sich das gar nicht leisten, weil die Schweiz viel zu wichtig ist? Patrick Dümmler, Forschungsleiter von Avenir Suisse rückte die Verhältnisse zurecht, indem er klar aufzeigte, für wenn da wieviel auf dem Spiel steht: Das handelspolitische Gewicht des EU-Raums für die Schweiz beträgt hohe 53 Prozent. Umgekehrt sind es lediglich 7 Prozent.

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