Seit 1987 Jahren gibt es das Erasmus-Programm. Das beliebte – und ein bisschen berüchtigte –Studenten-Austausch-Programm der EU hat inzwischen eine ganze Generation geprägt. Wie sich das äussert, und warum das so ist, zeigen die folgenden Fakten:

9 Millionen Menschen im Ausland

Dank Erasmus kamen seit 1987 insgesamt 9 Millionen Menschen zu einem europäischen Auslandaufenthalt. Das Programm habe so «eine ganze Generation von Studierenden geprägt», wie die NZZ schreibt.

Spanien ist die beliebteste Erasmus-Destination 

Hablar español – spanisch sprechen: Das wollen offenbar die meisten in ihrem Erasmus-Austausch lernen, und ziehen deshalb Spanien als Destination vor: Im Jahr 2014/15 waren 42’537 europäische Studenten dort im Austausch. In der Rangliste der beliebtesten Erasmus-Destinationen folgen Deutschland (32’871), Grossbritannien (30’183), Frankreich (29’558) und Italien (21’564).

Fast 50’000 Schweizer waren dabei

Seit 1992 nimmt auch die Schweiz am Erasmus-Programm teil. Insgesamt 90’184 Studenten und Lehrende haben teilgenommen. 40'658 Studierende haben die Schweiz verlassen, um im Ausland zu studieren – 41'312 junge Menschen haben dafür den Weg von europäischen Unis in unser Land gefunden.

Der durchschnittliche Erasmus-Studi ist eine Frau 

Im Jahr 2015 waren 61 Prozent der Erasmus-Studenten weiblich. Das durchschnittliche Alter betrug 24,5 Jahre. Der Zuschuss, den Erasmus-Studis von der EU bekommen, liegt bei 281 Euro pro Monat, und die Zeit, die sie an der ausländischen Uni verbringen, liegt bei 5,3 Monaten.

Erasmus-Studenten sind seltener arbeitslos

Oft wird behauptet, das Erasmus-Jahr sei nur Spass und hauptsächlich dem Austausch von Körperflüssigkeiten gewidmet. Mag sein, dass das ein wichtiger Bestandteil ist. Tatsächlich wirkt sich der EU-Auslandsaufenthalt aber positiv auf die Karriere aus: So sind Erasmus-Studis sind fünf Jahre nach ihrem Studienabschluss seltener arbeitslos als solche, die nur in ihrem Heimatland studiert haben.

Erasmus-Studenten haben bessere Karrierechancen

Sie verfügen zudem über wichtige Kompetenzen, die von den Arbeitgebern sehr geschätzt werden und können sich besser auf dem Arbeitsmarkt behaupten. Sie sind mobiler, und eher bereit, in ein anderes Land zu ziehen. Nicht zuletzt fördert die Erasmus-Erfahrung den unternehmerischen Geist: 38 Prozent der ehemaligen Erasmus-Studenten gaben an, sich selbständig machen zu wollen.

Erasmus hat über 1 Million Paare zusammengebracht 

Fast ein Drittel der ehemaligen Erasmus-Studenten geben gemäss der Erasmus Impact Study an, den Lebenspartner während eines Austauschjahres an einer europäischen Uni kennengelernt zu haben. Am meisten ins Zeug gelegt haben sich dabei die Südeuropäer: Sie sind an 37 Prozent der binationalen Erasmus-Partnerschaften beteiligt.

Es gibt 1 Million Erasmus-Babys 

Ganz genau kann man es zwar nicht sagen, aber die EU-Kommission schätzt, dass aus Erasmus-Beziehungen inzwischen rund 1 Million Kinder entstanden sind.

In England und Österreich leben die meisten Erasmus-Paare

Am meisten transnationale Beziehungen, die auf ein Erasmus-Jahr zurückgehen, sind in den EU-Ländern England und Österreich zu finden.

Erasmus macht neugierig und gelassen

Auch auf die Persönlichkeit wirkt sich das Erasmus-Studienjahr offenbar aus: Mehr als 90 Prozent der ehemaligen Austausch-Studenten gaben an, ihr Selbstvertrauen sei gestärkt worden, fast ebenso viele kamen nach eigenen Angaben neugieriger und gelassener aus dem Studium im fremden Land zurück.

Erasmus prägt die europäische Identität

Der Begriff «Erasmus» löst bei fast 90 Prozent der Befragten positive Assoziationen aus. Dies ergab die Eurobarometer-Zahlen von 2016. Es symbolisiere die Freizügigkeit im grenzfreien Europa und trage zur Bildung einer europäischen Identität bei, die nationale und lokale Loyalitäten ergänze, wie die NZZ schreibt. Das Studenten-Austauschprogramm wird von den Europäern als eine der positivsten Errungenschaften der EU betrachtet – nach dem freien Personenverkehr, dem Frieden zwischen den Mitgliedstaaten und dem Euro.

2014 drohte für die Schweiz das Aus

2014 drohte für Schweizer Studierende jedoch das Aus im Ausland: Mit der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative wurden die Verhandlungen mit der EU über Erasmus+ sistiert. Eine Übergangslösung ermöglicht jedoch vorerst die Weiterführung von Erasmus auch in der Schweiz. Unter welchen Bedingungen unser wieder assoziiertes Vollmitglied bei Erasmus werden könne, ist noch nicht bekannt.

Erasmus brachte einen Film-Hit hervor

Mit seinem Film «L’auberge Espagnole» aus dem Jahr 2002 hat der französische Regisseur Cédric Klapisch der «Generation Erasmus» ein Denkmal gesetzt.

Box: Von Erasmus zu Erasmus+

Was 1987 als Mobilitätsprogramm für Studierende begann, hat sich seither ständig weiterentwickelt. An Erasmus nehmen alle 28 Mitgliedstaaten der EU und fünf weitere europäische Länder teil (Norwegen, Island, Liechtenstein, die Türkei und die Schweiz).

2014 wurden mehrere Programme zusammengefasst: Erasmus+ ist eine Plattform für europäische und internationale Mobilität und Zusammenarbeit.Sie vermittelt Kompetenzen und soll helfen, ein Gefühl für eine europäische Identität zu entwickeln.

2017 werden in ganz Europa Veranstaltungen zur 30-jährigen Geschichte von Erasmus+ und dessen Vorläuferprogrammen stattfinden.

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