metrobasel Sommeranlass: «Strategie Schweiz: Alleingang oder Partnerschaft mit Verbündeten?»

Adam - Team s+v
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14 September 2022 Lesezeit: 3 Minuten
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metrobasel Sommeranlass 2022
Es scheint, als ob die Weltwirtschaft aus den Krisen nicht mehr rausfindet. Zunächst die Corona-Pandemie und nun der Ukrainekrieg. Aber auch die Beziehung zur Europäischen Union befindet sich seit dem Verhandlungsabbruch zum institutionellen Rahmenabkommen in einer Eiszeit. Im Lichte dieser turbulenten Zeiten auf internationaler Ebene stellt sich daher die Frage: Ist ein schweizerischer Alleingang künftig die Lösung oder soll die Schweiz weiterhin auf die Partnerschaft mit Verbündeten setzen? Vertretende aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich am diesjährigen metrobasel Sommeranlass im Basler Rathaus, an dem stark+vernetzt als Veranstaltungspartner auftrat, genau mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Im ersten Inputreferat des Abends vom 7. September verdeutlichte baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer zunächst die Vernetzung der Schweiz im Europäischen Strommarkt. Vor allem im Hinblick auf die Versorgungsengpässe, welche bereits diesen Winter möglicherweise eintreffen könnten, sei die Zusammenarbeit mit der EU wichtiger denn je. Schon heute stehe die Schweiz strompolitisch komplett im Abseits. Genau das bringe ein erhöhtes Risiko für unsere Versorgungssicherheit mit sich, so Nussbaumer. Anschliessend brachte Eric Scheidegger (Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik beim SECO) die Resilienz der schweizerischen Wirtschaft in internationalen Krisen zur Sprache. Diese sei mitunter ein Resultat der internationalen Verflochtenheit sowie der Diversifikation: «Wir sind nicht trotz der internationalen Vernetzung so stark, sondern dank ihr.» Abschliessend schilderte Prof. Dr. Rudolf Minsch (Chefökonom von economiesuisse) die Problematik aus Sicht der hiesigen Unternehmungen. Fachkräftemangel, zunehmende Blockbildung auf dem Weltmarkt, Gas- und Strommangel, anhaltende Lieferengpässe sind dabei nur einige von vielen Stichworten. Auch er bekräftigte, dass zur Bewältigung der akuten Probleme die Schweiz auf die Kooperation mit ihren Verbündeten setzen müsse: «Wir müssen mit der EU endlich eine Lösung finden. Wir sind in Europa zuhause.» Oft ginge vergessen, dass Firmen mobil und flexibel seien. Wer am Ende des Tages verliert, das ist der Standort Schweiz.

Alleingang ist keine Lösung!

In der anschliessenden Podiumsdiskussion stiessen Dr. Kathrin Amacker (Präsidentin Plattform Schweiz-Europa), Prof. Dr. Andreas Bohrer (Group General Counsel, Lonza), Dr. Beat Oberlin (Präsident Universitätsrat Uni Basel) und Dr. Stefan Suter (SVP-Grossrat des Kantons Basel-Stadt) zu den Referenten dazu. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Brigitte Guggisberg (Geschäftsleiterin WWZ Forum).

Trotz spannender und informativer Diskussion blieb eine hitzige Debatte letztlich aber aus, da alle Beteiligten sich in einem Punkt durchaus sicher waren: der Alleingang ist keine Lösung. Andreas Bohrer untermauerte erneut die enorme Bedeutsamkeit des internationalen Handels für Schweizer Unternehmen. Ohne offene Grenzen funktioniere das System Schweiz nicht mehr. Aber auch aus universitärer Sicht sei die internationale Zusammenarbeit nicht mehr wegzudenken, beteuerte Beat Oberlin. Die fehlende Assoziation der Schweiz an das Forschungsprojekt Horizon Europe sei damit ein bedeutender Dämpfer für den hiesigen Forschungsstandort. Der einzige Streitpunkt in der Diskussion entpuppte sich bei der Handlungsdringlichkeit. Während Stefan Suter dafür plädierte, dass die Schweiz sich nicht in unvorteilhafte Verhandlungen drängen lassen solle, war Kathrin Amacker der Meinung, es sei mehr Pragmatismus im Verhandlungsprozess angebracht. Nur mit Kompromissen könne die Beziehung zur EU wieder normalisiert werden.

Feurige Plädoyers für die Europapolitik

Zum Abschluss der Diskussion konnten noch alle Beteiligten ein Statement mit ihren wichtigsten Anliegen für die Zukunft abgeben. Eine bedeutende rote Linie zog sich durch die Plädoyers fast aller Teilnehmenden. Die Schweiz muss zurück an den Verhandlungstisch mit der EU. Nur wenn die Beziehung zur EU geklärt werden kann, wird auch die Unsicherheit für den Forschungs- wie auch Wirtschaftsstandort Schweiz minimiert werden können. Die Blockade in der Europapolitik ist keine langfristige Lösung. Oder wie Eric Nussbaumer es treffend zusammenfasste: «Die Schweiz lässt sich nicht verschieben – sie ist mitten in Europa». Es liegt somit im Interesse der Schweiz, gute Beziehungen zu unseren Nachbarn zu pflegen. Die Politik ist nun dringend gefordert, denn ohne Zusammenarbeit ist sowohl die Versorgungssicherheit als auch der Standort Schweiz gefährdet.